Die 95/5-Regel: Warum 95% Ihres Marktes gerade nicht kaufen wollen
Die meisten B2B-Marketing-Teams investieren fast ihre gesamte Energie in eine extrem kleine Gruppe: Die Menschen, die gerade jetzt kaufen wollen. Das Ergebnis ist ein harter Kampf um dieselben wenigen Prospects, während der weitaus grössere Teil des Marktes unberührt bleibt.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, warum reine Leadgenerierung an der Realität des Marktes scheitert und wie Sie das Spiel gewinnen, bevor ein Prospect überhaupt bei Ihnen anfragt.
Das alte Modell ist kaputt
Im letzten Beitrag haben wir uns angesehen, warum der klassische Demand Waterfall nicht mehr funktioniert. Eine Unmenge an "Leads" zu produzieren, reicht heute schlicht nicht mehr.
Warum halten so viele B2B-Teams trotzdem daran fest? Und was müssten moderne Marketer wissen und akzeptieren, um anders zu arbeiten?
Der Ausgangspunkt ist die 95/5-Regel.
Nur 5% sind kaufbereit
Gemäss der 95/5-Regel befinden sich pro Quartal nur rund 5% Ihres potenziellen Marktes im Kaufmodus. Lassen Sie das kurz wirken. Fünf Prozent, das ist nicht wenig. Das ist mikroskopisch.
Was bedeutet das? Ein riesiger Teil des Marktes lässt sich schlicht nicht überzeugen, weil diese Menschen gerade gar keine Lösung suchen, auch nicht Ihre.
All die conversion-fokussierten Anzeigen Ihres Teams? Die aufwendigen Automatisierungsstrecken? Die Broschüren, die Sie kalt verschicken? Für 95% des Marktes irrelevant.
Machen wir es greifbar. Stellen Sie sich vor, Sie waren gestern beim Coiffeur. Sie sehen gut aus und fühlen sich grossartig. Egal wie viele Rabatte ich Ihnen gebe oder wie sehr ich Sie zum Kauf dränge, Sie holen sich heute garantiert keinen zweiten Haarschnitt. Ihr Problem ist gelöst. Damit sind Sie für die nächsten Wochen aus dem Markt.
Und wenn ich der Typ bin, der trotzdem nicht aufhört, sein Coiffeurgeschäft zu bewerben, selbst nachdem Sie mich mehrfach ignoriert haben? Werden Sie dann bei mir kaufen, wenn Sie endlich wieder im Markt sind? Wohl kaum.
Die 70/80-Realität
Wenn die 95/5-Regel die Vorspeise ist, dann ist die 70/80-Realität der Hauptgang.
Von den ohnehin wenigen kaufbereiten Prospects haben 60-70% ihrer Kaufentscheidung bereits weitgehend getroffen, bevor sie überhaupt Kontakt zu Anbietern aufnehmen. Ein Grossteil des Spiels ist entschieden, bevor es beginnt.
Der Grund: Heutige Käufer recherchieren selbst und sprechen mit Menschen, denen sie vertrauen. Erschwerend kommt hinzu: Rund 80% der Prospects kaufen beim ersten Anbieter, den sie kontaktieren. Viel Glück, wenn Sie auf dieser Liste die Nummer zwei sind.
Halten wir fest:
- Der erreichbare Markt ist winzig
- Entscheidungen fallen oft, bevor die Anbieterprüfung überhaupt beginnt
- Käufer handeln autonom
Leadgen wirkt nur auf 5%
Persuasive Leadgen-Taktiken (aka Demand Capture) wirken auf 5% des Marktes. Dazu gehören:
- Google Ads
- SEO
- Ihre Website
- Whitepapers
- Success Stories
All das zielt auf kaufbereite Prospects mit Kaufabsicht. Verstehen Sie mich nicht falsch: Diese Taktiken funktionieren und haben ihre Berechtigung. Aber B2B Marketing ist weit mehr als Leadgenerierung. Wenn Leadgen das Yin ist, fehlt uns das Yang.
Wie Sie das Spiel früher gewinnen
Die entscheidende Frage lautet also: Wie gewinnen Sie das Spiel, bevor Prospects in den Markt eintreten und bevor sie sich überhaupt bei Ihnen melden?
Sie müssen sich einen festen Platz auf der mentalen Landkarte Ihrer Zielgruppe sichern. Das beginnt mit einer bewussten Entscheidung:
- Welches Problem lösen Sie
- Für wen
- Und noch wichtiger: für wen nicht
Zusammenfassend: Positionierung.
Danach definieren Sie Ihre Kernbotschaften: In welchen Situationen sollen Menschen an Ihre Marke denken? Und womit wollen Sie assoziiert werden? Ein zentrales Konzept sind hier die Category Entry Points, also die konkreten Auslöser, in denen Kaufrelevanz entsteht.
Anschliessend stärken Sie die Verknüpfung zwischen Ihrer Marke und einem einzigartigen Vorteil, den Sie bieten. Das ist keine einmalige Übung. Es geht um Konditionierung, und richtige Konditionierung braucht viel Wiederholung. Über die Zeit soll Ihre Zielgruppe mit Ihrer Marke vertraut werden und ein Gefühl von Verlässlichkeit entwickeln. Vertrauenswürdig zu werden, ist das eigentliche Ziel. Genau darum geht es beim Aufbau von Mental Availability.
Fazit
Wer nur auf die kaufbereiten 5% zielt, kämpft mit allen anderen um denselben winzigen Ausschnitt des Marktes. Nachhaltiges Wachstum entsteht, wenn Sie parallel die restlichen 95% bearbeiten und sich als vertrauenswürdige Option verankern, lange bevor der Kaufmoment kommt.
Genau diese Balance aus kurzfristiger Nachfrageabschöpfung und langfristigem Markenaufbau ist der Kern moderner B2B-Marketing-Systeme. Wenn Sie wissen möchten, wie das für Ihr Unternehmen konkret aussieht, sehen Sie sich an, wie wir als B2B-Marketing-Partner Strategie und Umsetzung verbinden.
Dieser Beitrag ist zuerst in den B2B Nuggets erschienen, unserem Newsletter für Management, Geschäftsführer und Marketingverantwortliche. Wenn Sie solche Impulse künftig alle zwei Wochen zuerst erhalten möchten, melden Sie sich hier an.
Beratung anfragen

Autor: Kevin Sturm
Founder & Growth Lead
Liest, schreibt und denkt gerne über fundamentale Wachstumsfragen nach
in
